Der Beitrag analysiert kritisch das in Therapie, Begutachtung und Gesundheitsversorgung vorherrschende binäre Identitätsmodell von trans Geschlechtlichkeit und fordert einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Trotz eindeutiger höchstrichterlicher Entscheidungen zur Anerkennung der Mehrgeschlechtlichkeit halten sozialrechtliche Richtlinien an einer zweigeschlechtlichen Ordnung fest und schließen nicht‑binäre Geschlechter systematisch aus. Das zugrunde liegende Identitätsmodell trennt zwischen biologischem und psychosozialem Geschlecht und reproduziert die normative Vorstellung eines „Geschlechtswechsels“, verbunden mit Erwartungen an Transition, Lebenslauf, Rollenverhalten und Passing.
Dem wird ein multidimensionales Verständnis von Geschlecht als geschlechtlicher Raum entgegengestellt, der durch biologische, psychische, soziale, kulturelle und strukturelle Faktoren konstituiert wird und sich nicht auf Binarität reduzieren lässt. Trans Körper werden darin als materielle Realität verstanden, nicht als kulturelle Abweichung. Daraus folgt die Notwendigkeit, Konzepte von Gegengeschlechtlichkeit, Geschlechtsumwandlung und normativer Transition zu verwerfen. Abschließend wird Selbstbestimmung als zentrales ethisches Leitprinzip trans Gesundheit und trans therapeutischer Praxis hervorgehoben.
Letzte Aktualisierung: 01.05.2026
