Autor: Dr. Jochen Kramer
Das Forum Sozialdiakonische Ethik der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) hat im März 2015 einen Fachtag Homosexualität in Frankfurt veranstaltet, zu dem ich als Referent eingeladen wurde, um aus psychologischer Sicht über Ursachen zu Homosexualität zu informieren. Der Fachtag bestand aus drei Teilen: zunächst wurde thematisiert, wie es zu Homosexualität kommt, dann was die Bibel dazu sagt und schließlich, wie die EmK sich dazu verhalten möchte.
Konkret gibt es in der EmK zwei gegenläufige Positionen: eine progressive, die sich für die Gleichstellung von Homosexuellen einsetzt (z.B.die Segnung homosexueller Paare, Ordination homosexueller Priester_innen), und eine konservative, die das strikt ablehnt. Der Fachtag war so organisiert, dass beide Seiten gleichermaßen zu Wort kamen. Meine Vortragsfolien sind als PDF angehängt und bei der progressiven Seite erwartungsgemäß gut angekommen. Es ist jedoch zu befürchten, dass die konservative Seite zumindest noch einige Zeit eine weitere Gleichstellung verhindert.
In Gesprächen mit EmK-Mitgliedern wurde mir noch einmal deutlich, welche grundsätzlichen Schwierigkeiten beide Seiten voneinander trennen: Es scheint Strömungen in der EmK (und in anderen christlichen Kirchen) zu geben, die davon ausgehen, dass es eine Schöpfungsordnung gäbe, die von Homosexualität gestört würde. Störungen der Schöpfungsordnung würden die Welt ins Chaos führen. Das sei mit dem Sündenfall im Grunde schon einmal passiert: die Schöpfung sei gefallen. Deshalb nütze auch Empirie nichts: Wissenschaftliche Befunde würden die „gefallene Welt“ untersuchen, daraus könne man nicht ableiten, was „gut“ bzw. „böse“ sei. Mir hat diese Argumentation noch einmal deutlich gemacht, wo für mich Fundamentalismus beginnt: da nämlich, wo jemand diese Weltsicht nicht nur an sich selbst anlegt, sondern auch an andere. Insofern war es eine für mich lehrreiche aber auch ernüchternde Veranstaltung.
| Anhang | Größe |
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| EmK-Vortrag Kramer | 1.27 MB |
Letzte Aktualisierung: 18.05.2020
