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Leitlinien zur Psychotherapie von lesbischen, schwulen und bisexuellen KlientInnen

Die hier vorgestellten Leitlinien stammen von der American Psychological Association (APA, 2000; genauere Quellenangabe am Ende dieser Seite). Sie wurden vor kurzem überarbeitet (APA, 2011). Die aktualisierte englischsprachige Version kann auf der Homepage der APA nachgelesen werden. (Eine deutsche Übersetzung werden wir in einiger Zeit hier verfügbar machen.)

Die Leitlinien der APA haben eine besondere Bedeutung dadurch, dass sie für PsychotherapeutInnen in den USA verbindlich sind. Zum anderen ist die APA der größte und bedeutendste Psychologenverband weltweit.

Einstellung zu Homosexualität und Bisexualität

Leitlinie 1

PsychologInnen verstehen Homosexualität nicht als Hinweis auf eine psychische Störung

Leitlinie 2

PsychologInnen werden darin bestärkt, zu erkennen, wie ihre Einstellung und ihre Kenntnisse zu lesbischen, schwulen und bisexuellen Themen für die Einschätzung und Behandlung bedeutsam sein kann, und – wenn angezeigt – Beratung einzuholen oder weiterzuüberweisen.

Leitlinie 3

PsychologInnen bemühen sich darum, zu verstehen, auf welche Weise soziale Stigmatisierung (d.h. Vorurteile, Diskriminierung und Gewalt) Risiken für die psychische Gesundheit und das Wohlergehen lesbischer, schwuler und bisexueller KlientInnen darstellt.

Leitlinie 4

PsychologInnen streben danach, zu verstehen, wie sich unzutreffende und vorurteilsgeprägte Sichtweisen bezüglich Homo- oder Bisexualität darauf auswirken können, wie sich KlientInnen in der Behandlung darstellen sowie auf den therapeutischen Prozess.

Beziehungen und Familie

Leitlinie 5

PsychologInnen bemühen sich darum, bezüglich lesbischer, schwuler und bisexueller Beziehungen gut Bescheid zu wissen, und sie respektieren deren Wichtigkeit.

Leitlinie 6

PsychologInnen bemühen sich, die besonderen Umstände und Herausforderungen zu verstehen, denen lesbische, schwule und bisexuelle Eltern gegenüberstehen.

Leitlinie 7

PychologInnen erkennen an, dass Familien von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen auch Personen mit einschließen können, die nicht im rechtlichen Sinne oder biologisch verwandt sind.

Leitlinie 8

PsychologInnen bemühen sich darum, zu verstehen, wie die homo- oder bisexuelle Orientierung einer Person auf die Ursprungsfamilie und die Beziehung zu dieser Einfluss nehmen kann.

Themen der Vielfalt

Leitlinie 9

PsychologInnen werden darin bestärkt, die besonderen Lebensfragen und Herausforderungen anzuerkennen, die lesbische, schwule und bisexuelle Angehörige ethnischer Minderheitern erfahren und die sich auf vielfältige und oftmals konfligierende kulturelle Normen, Werte und Überzeugungen beziehen.

Leitlinie 10

PsychologInnen sind angehalten, die besonderen Herausforderungen anzuerkennen, die bisexuelle Menschen erfahren.

Leitlinie 11

PsychologInnen bemühen sich darum, die besonderen Probleme und Risiken zu verstehen, die für lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche bestehen.

Leitlinie 12

PychologInnen berücksichtigen Generationsunterschiede innerhalb der lesbischwulen Bevölkerung und die besondere Situation, die lesbischwule Ältere erfahren.

Leitlinie 13

PsychologInnen sind aufgefordert, die besonderen Herausforderungen anzuerkennen, die von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen mit körperlichen und seelischen Behinderungen erfahren werden.

Aus-, Fort- und Weiterbildung

Leitlinie 14

PsychologInnen unterstützen Maßnahmen der beruflichen Fort- und Weiterbildung zu lesbischwulen Themen.

Leitlinie 15

PsychologInnen sind aufgefordert, ihre Kenntnisse über und ihr Verständnis von Homo- und Bisexualität durch fortlaufende Weiterbildung, Training, Supervision und Beratung zu erweitern.

Leitlinie 16

PsychologInnen machen sich mit angemessenem Aufwand mit wesentlichen Hilfesystem-Strukturen („resources“) für lesbische, schwule und bisexuelle Menschen in Gesundheitsversorgung, Bildungssystem und auf kommunaler Ebene vertraut.

Quellen:

Originalabdruck in englischer Sprache: Committee on Lesbian, Gay and Bisexual Concerns (CLGBC): Guidelines for Psychotherapy with Lesbian, Gay and Bisexual Clients. American Psychologist, 2000, 55, 1440-1451. © 2000 American Psychological Association. Übersetzt durch Udo G. Frank und abgedruckt mit Genehmigung der Herausgeber. Die American Psychological Association ist für die Genauigkeit der Übersetzung nicht verantwortlich.

Committee on Lesbian, Gay and Bisexual Concerns (CLGBC) der American Psychological Association (2011). Practice Guidelines for LGB Clients - Guidelines for Psychological Practice with Lesbian, Gay, and Bisexual Clients. Verfügbar unter: http://www.apa.org/pi/lgbt/resources/guidelines.aspx

Letzte Akualisierung: 04.04.2011