Konversionsversuche
Konversions- und "reparative Therapien"
Autorin: Dr. Gisela Wolf
Zusammenfassung
Konversions- oder „reparative Therapien“ umfassen alle Versuche durch selbsterklärte oder zertifizierte TherapeutInnen, SeelsorgerInnen, HeilerInnen, SozialarbeiterInnen, „Ex-Homosexuelle“, religiöse Laien und andere, die Homosexualität von KlientInnen in asexuelles oder heterosexuelles Verhalten umzuwandeln. Die Verwendung des Begriffs „Therapie“ für ein solches Unterfangen ist missverständlich, da es sich zum einen bei den verwendeten Methoden nicht um wissenschaftlich anerkannte Verfahren zur Linderung oder Heilung eines Leidens handelt und da zum anderen Homosexualität keine Erkrankung mehr darstellt. Konversions-„Therapien” haben bislang keine positiven gesundheitsförderlichen Effekte für die davon betroffenen Menschen nachweisen können. Hingegen sind als Behandlungsfolgen bei den Betroffenen solcher Umpolungsversuche Ängste, depressive Symptome und Suizidalität bis hin zu vollendetem Suizid aufgetreten (Wagner & Rossel, 2006). Im Interesse einer Nichtschadensethik dürften solche „Therapien“ nicht angewandt werden. Sie florieren aber deshalb, weil sie innerhalb der derzeitigen Machtverhältnisse einen „Sinn“ haben: Sie verfolgen die Ziele, die gesellschaftliche Stigmatisierung von Homosexualität zu erhalten und traditionelle Geschlechterrollen zu stärken (Haldemann, 1994; Wagner & Rossel, 2006).
Stellungnahme des Berufsverbandes deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (BVDP)
Berufsverband deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Christa Roth-Sackenheim, Mai 2009
In einer Stellungnahme kritisiert der Berufsverband Deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (BVDP) „reparative Therapien“ bei Homosexualität. Allein der Begriff erweckt den Anschein, dass es sich bei Homosexualität um eine Fehlfunktion handelt und stigmatisiert somit homosexuelle Frauen und Männer.
Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie lernen in ihrer Ausbildung, sich in der Ausübung ihres Berufs stets einer besonderen ärztlichen Verantwortung bewusst zu sein. Psychiater und Psychotherapeuten müssen sich in ihrer Tätigkeit darüber im Klaren sein, dass sie durch ihr therapeutisches Gespräch die Psyche, insbesondere das Selbstbild, die Normen und Werte des Patienten beeinflussen. Dies ist im Bereich anderer medizinischer Fachgebiete vergleichbar mit der Verantwortung des Chirurgen bei einer Operation.
Ein besonderes Anliegen des Fachgebietes ist es deshalb heute auch, der Stigmatisierung psychischer Störungen in der Öffentlichkeit durch Abbau von Unwissen und Vorurteil entgegenzuwirken. Die wissenschaftliche Forschung hat in den letzten 30 Jahren einen enormen Erkenntniszuwachs bezüglich Entstehung, Diagnostik, Verlauf und Therapie psychischer Störungen erbracht.
Der Berufsverband deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie nimmt deshalb zur öffentlichen Diskussion um „Konversionstherapien“ oder „reparative Therapien“ bei Homosexualität wie folgt Stellung:
- Homosexualität ist keine Krankheit, sondern eine häufige Form menschlichen Zusammenlebens und bedarf keiner Therapie
- Der Ausdruck „reparative Therapie“ suggeriert fälschlicherweise eine vorherige Fehlfunktion, die korrigiert werden soll
- Psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsansätze sind nicht die Homosexualität als solche, sondern die Konflikte, die mit der Homosexualität in Verbindung mit religiösen, gesellschaftlichen und internalisierten Normen entstehen
- Therapeutische Ziele sind in erster Linie die Prävention psychiatrischer Folgeerkrankungen wie Depressivität und Suizidalität sowie die Stabilisierung des Selbstbildes unter Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände und der Bedürfnisse des Betroffenen und seiner Familie.
- Haben homosexuell lebende Menschen psychische Erkrankungen, so sind diese unabhängig von der Homosexualität zu diagnostizieren und zu behandeln.


