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VLSP Fachtreffen 2011

Das VLSP-Fachtreffen hat 2011 vom 14. bis 16. Oktober im Waldschlösschen (Reinhausen bei Göttingen) stattgefunden. Die Kammer Niedersachsen hat das Fachtreffen mit 11 Fortbildungspunkten zertifiziert. Im Rahmen des Fachtreffens tagte auch die Mitgliederversammlung.

Folgende Workshops wurden angeboten:

Workshop 1: Überschneidungen: Das Zusammenwirken verschiedener gesellschaftlicher Ein- und Ausschlüsse im Leben von LGB_T

Dr. Gabriele Dennert, Institut für transdisziplinäre Gesundheitsforschung (www.lesbengesundheit.de). Gefördert aus Mitteln des Landes Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Forum Niedersachsen.
Gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse im Leben von LGB_T finden entlang verschiedener Linien statt; sie können sich im persönlichen Leben als Diskriminierungen oder auch als Privilegierungen auswirken. Ein- und Ausschlüsse erfolgen z.B. längs des (Zwei-)Geschlechterverhältnisses, von Fragen von sexueller Orientierung und Lebensweise, Rassismus oder auch der sozioökonomischen Position. Entlang dieser Machtlinien erleben LGB_T Gewalt und Diskriminierung - und üben sie auch aus. Ich stelle in diesem Workshop verschiedene Studien mit einem Bezug zur therapeutischen und beraterischen Praxis vor. In die Diskussion einbringen möchte ich besonders die Fragen, welche Implikationen eine intersektionale Betrachtung von Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen auf die Versorgungspraxis haben kann und wie Forschung, die praxisrelevante Erkenntnisse erbringen möchte, aussehen könnte. (Workshop-Bericht zum Herunterladen)

Workshop 2: Intervisionstreffen

Dr. Ulli Biechele, PLUS Mannheim
Der ursprünglich geplante Workshop ("Kein Spiegel nirgends?" von Michaela Ermert) musste leider entfallen. 

Workshop 3: Arbeitstreffen Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Jochen Kramer, Vorstand des VLSP
Wie können wir mit den verschiedenen Zielgruppen besser in Kontakt kommen, die für den VLSP wichtig sind? Beispielsweise:
• Neue Mitglieder – LSBT-FachkollegInnen und Studierende – gewinnen
• Heterosexuelle KollegInnen erreichen, die LSBT-KlientInnen beraten/therapieren
• Vernetzung mit Fach- und LSBT-Verbänden (z.B. BDP, DGPs, LSVD) fördern
• LSBT-KlientInnen und ihre Angehörigen erreichen
• die interessierten Öffentlichkeit (Privatpersonen, Medien, Politik u. a.) erreichen
Im Workshop werden erste Ideen entwickelt, wie diese Zielgruppen angesprochen werden können. Davon ausgehend kann dann auf größerer Basis im VLSP weiterüberlegt werden, ob Werbeflyer und Webseite verbessert werden können bzw. ob wir noch andere Kommu- nikationsformen brauchen. Kreative Ideen sind gefragt; jede und jeder, die/der Lust hat, ist herzlich willkommen!

Workshop 4: LSB-Leitlinien-Entwurf des VLSP

Dr. Matthias Fünfgeld & Dipl. Psych. René Oehler
Im Workshop sollen die gerade in Arbeit befindlichen LSB-Leitlinien des VLSP diskutiert werden. Der Leitlinien-Entwurf ist das Zwischenergebnis der VLSP-Arbeitsgruppe "Leitlinien", die sich 2010 in Stuttgart konstituiert hat und setzt die Auseinandersetzung mit bisherigen Leitlinienkonzepten für eine „affirmative“ Psychotherapie für lesbische, schwule und bisexuelle Klienten (Davies, 1996; APA, 2000; Fiedler, 2004; APA, 2011) fort. Es ist beabsichtigt, allen Teilnehmern des Fachtreffens zum 1. Oktober den dann aktuellen Leitlinienentwurf sowie weitere Materialien per email zugänglich zu machen, um die Diskussion im Workshop zu befördern. Im letzten Drittel des Workshops soll eine parallel zu den Leitlinien entstehende 5-stündige Ausbildungseinheit „Sexuelle Orientierungen in der Psychotherapie“ vorgestellt und diskutiert werden, die ab 2012 in Freiburg eingesetzt werden wird.

Workshop 5: Weibliches (Auf-)Begehren

Carola Spiekermann, Psychologische (Körper-)Psychotherapeutin, Feministische Bildungsreferentin, Supervisorin & Astrid Peter, Germanistin (M.A.), Feministische Bildungsreferentin, Sozialtherapeutin, (www.aufBegehren.com)
Zusammenhänge zwischen (verborgener) Aggressivität und (verletzter) Sexualität im Leben von Mädchen und Frauen
• Welches Verständnis haben Frauen von (ihrer) Aggressivität und Sexualität?
• Und wie erleben sie sich darin?
Ausgehend davon, dass beide „Erfahrungsfelder“ lebensbejahende Kraftquellen beherbergen, wird in der Arbeit mit Mädchen und Frauen immer wieder deutlich, dass die Zugänge zu ihnen erschwert und auch "verschlossen" sind. Eine mögliche und Einfluss nehmende Belastung stellen sexualisierte Gewalterfahrungen dar.
• Wie zeigen sich die Folgen sexueller Gewalterfahrungen für den eigenen Ausdruck von Aggressivität?
• Worin liegen Möglichkeiten für Frauen, Lebendigkeit und Kraft von Sexualität auf ganz eigene und vielfältige Weise (wieder) zu entdecken?
• Und wie kann die Wahrnehmung aggressiver Impulse als Orientierung dienen, dem eigenen Begehren auf die Spur(en) zu kommen?
In einem dialogischen Vortrag werden sich Carola Spiekermann und Astrid Peter mit diesen Fragen beschäftigen und auf ihre Weise nach Antworten suchen.

Workshop 6: „What have you done today, to make you feel proud?“

(Songtext „Proud“ von Heather Small aus dem Soundtrack von „Queer as Folk“)
Ralph Kohn, Psychologischer Psychotherapeut
Bei der therapeutischen Arbeit mit schwul-lesbischen PatientInnen leisten schwule und lesbische PsychotherapeutInnen wertvolle Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Probleme, die in der Regel in Zusammenhang mit schwierigen Coming-Out-Prozessen, Identitätskonflikten, internalisierten Homonegativitäten, Diskriminierungserfahrungen etc. stehen. Bei der Behandlung heterosexueller PatientInnen können auf TherapeutInnenseite Gefühle entstehen, die aus der Auseinandersetzung der eigenen schwul-lesbischen Identität mit der hetero-normativen Mehrheitsgesellschaft herrühren. Dies aktiviert vergangene und aktuelle Belastungen und entsprechende Bewältigungsmechanismen, die zumeist als anstrengend und Energie raubend erlebt werden. Anders gesagt: Insbesondere für schwul-lesbische PatientInnen leisten schwul-lesbische PsychotherapeutInnen mehr, müssen aber auch mehr aushalten und regulieren. Und: Sie sind nicht nur Psychotherapeuten, sondern auch schwul bzw. lesbisch! Gleichzeitig fehlen häufig Supervisions- und Selbsterfahrungsangebote, welche die sexuelle Orientierung / Identität sowohl der PatientInnen als auch der TherapeutInnen angemessen berücksichtigen. Der Workshop soll Raum für spezifisch schwul-lesbische Anliegen und zur Entwicklung einer selbstfürsorglichen, ressourcenorientierten Pflege der eigenen schwul-lesbischen Identität bieten.

Letzte Akualisierung: 13.01.2016