Woher wissen Menschen, dass sie lesbisch, schwul oder bisexuell sind?

Text nach APA, übersetzt und überarbeitet von Uta Krüger und Dr. phil. Gisela Wolf (vgl. Quellenhinweis)

Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand entwickeln sich die Gefühle von Anziehung und Attraktivität, die die Basis der erwachsenen sexuellen Identität bilden, in der Lebenszeit zwischen der mittleren Kindheit und der frühen Adoleszenz. Diese Muster emotionaler, romantischer und sexueller Attraktion können sich ohne vorhergehende sexuelle Erfahrung bilden. Menschen können zölibatär leben und trotzdem ihre sexuelle Orientierung wahrnehmen und erkennen. Dies gilt sowohl für lesbische, als auch für schwule, heterosexuelle oder bisexuelle Menschen.

Unterschiedliche lesbische, schwule oder bisexuelle Menschen machen auch sehr unterschiedliche Erfahrungen mit ihrer sexuellen Orientierung. Manche Menschen wissen sehr lange, bevor sie tatsächlich Liebesbeziehungen eingehen, dass sie lesbisch, schwul oder bisexuell sind. Andere Menschen leben zunächst Sexualität mit gleichgeschlechtlichen und/oder gegengeschlechtlichen Menschen, bevor sie sich für eine Bezeichnung ihrer sexuellen Orientierung entscheiden. Vorurteile und Diskriminierungen so wie Heterosexismus (die gesellschaftliche Annahme, dass jede_r heterosexuell ist) erschweren es vielen Menschen, ihre sexuelle Orientierung zu erkennen. Dementsprechend kann das Coming-Out (die Selbstwahrnehmung und Mitteilung einer lesbischen, schwulen oder bisexuellen Orientierung) einen lang andauernden Prozess darstellen.

Letzte Akualisierung: 29.04.2014