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Was ist sexuelle Orientierung?

Text nach APA, übersetzt und überarbeitet von Uta Krüger und Dr. phil. Gisela Wolf (vgl. Quellenhinweis)

Sexuelle Orientierung bezeichnet ein andauerndes Muster emotionaler, romantischer und/oder sexueller Anziehung. Diese Anziehung bezieht sich auf Männer, Frauen oder auf beide Geschlechter. Sexuelle Orientierung bezeichnet ebenfalls die Identität, die eine Person aufgrund dieser Gefühle und den daraus resultierenden Handlungen entwickelt sowie die Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft von Menschen (community), die diese Gefühle und Beziehungsmuster teilen.

Die Forschung hat gezeigt, dass sich sexuelle Orientierung auf einem Kontinuum bewegt, welches von exklusiver Orientierung auf gleichgeschlechtliche Menschen zu exklusiver Orientierung auf gegengeschlechtliche Menschen reicht. Trotz dieser tatsächlichen Kontinuität wird sexuelle Orientierung üblicherweise in drei Kategorien eingeteilt:

  • heterosexuell: emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehung zu gegengeschlechtlichen Menschen
  • schwul/lesbisch: emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehung zu gleichgeschlechtlichen Menschen
  • bisexuell: emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehung zu Menschen beiden Geschlechts

Diese Bandbreite an menschlichen Fähigkeiten, sich zu verlieben bzw. sich von anderen Menschen angezogen zu fühlen, wurde für ganz verschiedene Kulturen und Länder beschrieben. In den USA und Europa werden für die Bezeichnung der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen häufig die Begriffe „heterosexuell“, „lesbisch“, „schwul“ und „bisexuell“ verwendet. Einige Menschen ziehen aber auch andere Selbstbezeichnungen ihrer sexuellen Orientierung vor (z.B. die Bezeichnung „frauenliebende Frau“ oder "queer") oder sie möchten ihre sexuelle Orientierung gar nicht mit einem Begriff festlegen.

Sexuelle Orientierung unterscheidet sich von anderen Aspekten des Geschlechts und der Geschlechtsrolle, wie dem biologischen Geschlecht (anatomische, physiologische und genetische Charakteristika, die mit Männlichkeit und Weiblichkeit assoziiert werden), der Geschlechtsidentität (das psychische Empfinden, weiblich oder männlich zu sein) und der sozialen Geschlechtsrolle (die kulturelle Normen, die männliches und weibliches Verhalten definieren).

Oft wird so über sexuelle Orientierung gesprochen, als sei sie lediglich ein Charakteristikum eines Individuums, wie z.B. sein Alter. Diese Perspektive ist jedoch unvollständig, da die sexuelle Orientierung durch Beziehungen zu anderen Menschen definiert wird. Menschen drücken ihre sexuelle Orientierung u.a. durch Handlungen mit anderen aus, indem sie z.B. einander an den Händen halten oder einander küssen. Sexuelle Orientierung bezieht sich also auch auf intime persönliche Beziehungen, die tiefe Bedürfnisse nach Liebe, Verbundenheit und Nähe erfüllen. Neben sexuellen Handlungen beinhalten diese Bindungen auch nicht-sexuell ausgedrückte Zuneigung zwischen den PartnerInnen, z.B. gemeinsam verfolgte Ziele und Wertvorstellungen, gegenseitige Unterstützung und Verantwortung füreinander. Dementsprechend ist sexuelle Orientierung mehr als ein individuelles und persönliches Charakteristikum. Vielmehr definiert die sexuelle Orientierung einer Person auch gleichzeitig die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, innerhalb der eine Person befriedigende und erfüllende Liebesbeziehungen finden kann. Solche Liebesbeziehungen stellen eine essentielle Komponente der persönlichen Identität vieler Menschen dar.

Letzte Akualisierung: 22.11.2012