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Was sind die psychischen Folgen von Vorurteilen und Diskriminierungen?

Text nach APA, übersetzt und überarbeitet von Uta Krüger und Dr. phil. Gisela Wolf (vgl. Quellenhinweis)

Vorurteile und Diskriminierungen haben sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Auswirkungen. Auf der gesellschaftlichen Ebene spiegeln sich Vorurteile und Diskriminierungen gegen Lesben, Schwule und Bisexuelle in gesellschaftlich konstruierten stereotypisierten Vorstellungen von homo- und bisexuellen Menschen. Diese unrealistischen Stereotype werden häufig als Legitimation für eine ungerechte Behandlung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen gegenüber Heterosexuellen verwendet. So werden in Deutschland z.B. Ungleichbehandlungen im Steuerrecht, im Adoptionsrecht, bei Inseminationsbehandlungen oder in Bezug auf die rechtliche Anerkennung der PartnerInnenschaft durch Stereotype gerechtfertigt.

Auf der persönlichen Ebene können gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse negative Konsequenzen für die Gesundheit und die Lebensqualität von Lesben, Schwulen und Bisexuellen haben. Insbesondere, wenn sie sich gezwungen sehen, aufgrund möglicher Stigmatisierung ihre sexuelle Orientierung zu verschweigen, zu verstecken oder zu leugnen. Lesbische Frauen und schwule Männer müssen sich der Herausforderung stellen, Strategien zu entwickeln bzw. zu lernen, mit dem Stigma ihrer Homosexualität umzugehen. Das Ausmaß der Stigmatisierung aufgrund von Homo- oder Bisexualität kann durch weitere Merkmale einer Person, wie z.B. kulturelle Herkunft, Migrationserfahrung, Behinderung, Alter, sozioökonomischer Status etc. verschärft oder auch abgeschwächt werden. Manche Lesben und Schwule (z.B. solche, die über einen hohen sozioökonomischen Status oder eine hohe Bildung verfügen) erleben die Konsequenzen der Stigmatisierung weniger scharf, weil sie z.B. von den wirtschaftlichen oder sozialen Ausgrenzungsprozessen, zu denen die Stigmatisierung führen kann, weniger betroffen sind. Bei anderen Lesben und Schwulen können die Auswirkungen von homosexuellenfeindlichen Diskriminierungen und Vorurteilen durch ihr hohes oder sehr junges Alter, durch die Erfahrung von Erkrankung oder die Einschränkung durch eine Behinderung oder aufgrund ihrer gesellschaftlichen Marginalisierung durch ihre Migrationserfahrung verschärft werden.

Die persönlichen Ressourcen von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen werden dauerhaft beansprucht, um den Konsequenzen ihrer nicht-heterosexuellen Orientierung in einer heterosexistischen Gesellschaft zu begegnen. Neben der gelungenen Integration der sexuellen Orientierung in die persönliche Identität ist soziale Unterstützung sehr wichtig, um dieser Belastung etwas entgegen setzen zu können. Diese wichtige soziale Unterstützung wird jedoch oftmals gerade durch homosexuellenfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft und Diskriminierungen verhindert. So erhalten z.B. homo- oder bisexuelle Schüler_innen häufig keine Unterstützung, wenn sie von Mitschüler_innen beschimpft werden, weil vorurteilsbehaftete Lehrkräfte nicht in der Lage sind, diesen Beschimpfungen entgegen zu treten.

Letzte Akualisierung: 29.04.2014