Therapieleitlinien von Davies
Davies (1996) beschreibt ein Modell für eine gay affirmative therapy, in dem er außer den unten aufgeführten Leitlinien die Bedeutung von Wertschätzung ausführt und Konsequenzen für die Ausbildung von PsychotherapeutInnen aufzeigt. Seine Leitlinien besagen im Wesentlichen:
- Für lesbische und schwule TherapeutInnen ist es unerlässlich, eine zufriedene und verständnisvolle Haltung zu den eigenen homosexuellen Gefühlen zu entwickeln, bevor es möglich ist, erfolgreich mit homosexuellen KlientInnen zu arbeiten.
- Die TherapeutInnen sollen sorgfältig prüfen, ob sie Gefahr laufen, einen psychotherapeutischen Auftrag anzunehmen, der darin besteht, homosexuelle Gefühle und Verhaltensweisen der Klientin/des Klienten zu unterbinden. Die Bereitschaft solch einen Auftrag anzunehmen bedeutet, Homosexualität als pathologisch und unerwünscht anzusehen.
- Alle Lesben und Schwulen haben auf Grund ihrer Homosexualität bestimmte Formen der Benachteiligung erfahren. Diese Erlebnisse müssen, so wie sie von der Klientin/dem Klienten erfahren wurden, bewusst gemacht werden, um sie aufarbeiten zu können.
- Den KlientInnen ist dabei zu helfen, internalisierte Stereotype über Lesben und Schwule zu erkennen und diese zu überwinden.
- Beim Arbeiten an der Breite und Tiefe der Gefühlswahrnehmung, ist besonders darauf zu achten, die KlientInnen bei der Wahrnehmung und dem Ausdrücken von Ärger und Wut zu unterstützen. Dafür ist es hilfreich, den Ärger bzw. die Wut in konstruktive Bahnen zu lenken und Zuneigung offen zu zeigen.
- Die TherapeutInnen sollen die KlientInnen bei der Aufwertung ihres Körper-Selbst und der Körperwahrnehmung aktiv unterstützen. Scheuen Sie nicht vor körperlichem Kontakt zurück, um zu verdeutlichen, dass man ihn wertschätzt und ihm vertrauen kann.
- Die TherapeutInnen sollen die KlientInnen darin ermutigen, einen lesbisch/schwulen Freundeskreis zu finden, in dem man sich gegenseitig hilft und respektiert.
- Die TherapeutInnen sollen das Selbstbewusstsein stärkende Aktivitäten unterstützen, z.B. die Teilnahme an lesbisch/schwulen Stammtischen, das Lesen lesbisch/schwuler Literatur und die Mitwirkung bei Aktivitäten der lesbisch/schwulen Community.
- Die TherapeutInnen sollen auf eine partnerschaftliche Beziehung mit der Klientin/dem Klienten hinarbeiten. Die Botschaft dabei soll sein: Du bist kein Mensch zweiter Klasse, kein schlechter Mensch.
- Die TherapeutInnen sollen die KlientInnen darin ermutigen die Grundannahmen über das Lesbisch- bzw. Schwulsein zu hinterfragen und ein individuell passendes Wertesystem als Basis für ihrer Selbsteinschätzung zu entwickeln. Erarbeiten Sie die Gefahren, die sich ergeben, wenn man der Selbsteinschätzung das Wertesystem der Gesellschaft zugrunde legt.
- Die TherapeutInnen sollen Scham und Schuldgefühle desensibilisieren, die homosexuelle Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen betreffen.
- Die TherapeutInnen sollen die eigene Autorität dazu nutzen, homosexuelle Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die von der Klientin/dem Klienten berichtet werden, zu verstärken.
Quellenhinweis
Davies, D. (1996). Towards a model of gay affirmative therapy. In D. Davies & C. Neal (Hrsg.), Pink therapy. A guide for counsellors and therapists working with lesbian, gay and bisexual clients (S. 24-40). Buckingham/Philadelphia: Open University Press.
Letzte Akualisierung: 03.04.2010




