"Umpolungs"-Versuche?
Was ist über „Therapien“ zu sagen, die das Ziel verfolgen, die sexuelle Orientierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Heterosexualität umzuwandeln?
Bis heute konnte mit keiner wissenschaftlich anerkannten Methode gezeigt werden, dass „Therapien“, die das Ziel anstreben, homosexuelle in heterosexuelle Menschen umzuwandeln, unschädlich oder wirksam sind. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich so, dass die Propagierung von Umpolungs-„Therapien“ gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse verstärkt und zu einem abwertenden sozialen Klima gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen beiträgt. Darunter leiden besonders diejenigen Lesben, Schwule oder Bisexuelle, die in einem eher konservativ geprägten religiösen Umfeld aufwachsen.
Sinnvolle und hilfreiche therapeutische Interventionen einer professionellen Psychotherapeuten/einer professionellen Psychotherapeutin im Umgang mit KlientInnen, die über ihre gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung beunruhigt sind, beinhalten vielmehr:
- die betreffenden KlientInnen zu befähigen, sich einen aktiven und selbstwertstärkenden Umgang mit gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber Homosexuellen zu erarbeiten,
- die Probleme, die den inneren Konflikten zugrunde liegen, zu lösen,
- und aktive Schritte hin zu einer größeren Lebenszufriedenheit zu gehen.
Professionelle psychotherapeutische und psychiatrische Organisationen rufen ihre Mitglieder dazu auf, das Recht von Menschen auf Selbstbestimmung zu respektieren. Professionelle PsychotherapeutInnen sollten in der Lage sein, sensibel mit der kulturellen Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, dem Alter, dem sozialen Geschlecht (gender role behavior), der Geschlechtsidentität (gender identity), der sexuellen Orientierung, der Religion, dem sozioökonomischen Status und den Belastungen möglicher Behinderungen ihrer KlientInnen umzugehen und sich dabei auch deutlich von den Vorbehalten, die sich gegen diese Merkmale richten, abgrenzen.
Letzte Akualisierung: 09.04.2011




