Die verschiedenen Therapieschulen
In der Psychoanalyse werden aktuelle seelische Probleme vor allem auf ungelöste Konflikte in der Kindheit bezogen. In der psychoanalytischen Therapie geht es darum, diese Konflikte, die ins Unbewusste verdrängt sind, mit dem Bewusstsein (wieder) zu entdecken und mit Hilfe der therapeutischen Beziehung neu zu lösen. Methoden hierbei sind z.B. die Traumdeutung und das freie Assoziieren (alles aussprechen, was einem einfällt). In der klassischen Form dauert die Therapie mehrere Jahre und findet auf der Couch statt. Heute wird die Psychoanalyse jedoch ebenso auch im Sitzen bzw. in einem kürzeren zeitlichen Rahmen durchgeführt.
Tiefenpsychologisch fundierte Therapie ist eine Ableitung bzw. Weiterentwicklung der klassischen Psychoanalyse. Sie ist weniger streng auf die Analyse der Kindheit bezogen und bezieht Elemente und Methoden anderer Therapieformen mit ein.
Die Verhaltenstherapie (VT) geht davon aus, dass alles Denken und Verhalten gelernt wird. Wenn eine Person ihr eigenes Verhalten und Denken als problematisch bzw. selbstschädigend erlebt, soll sie dieses Denken und Verhalten in der Verhaltenstherapie verlernen – egal aus welchen Gründen sie sich früher einmal daran gewöhnt hat. Verhaltenstherapie kann man sich also ungefähr wie ein Training neuer Denk- und Verhaltensformen vorstellen. Dazu werden eine Reihe von Methoden angewandt, z.B. „Hausaufgaben“, Selbstsicherheitstraining, Entspannungsübungen usw.
Die Gesprächspsychotherapie (GT) oder klientInnenzentrierte Therapie bzw. Beratung orientiert sich am humanistischen Menschenbild. Demnach weiß jeder Mensch in seinem Inneren, wohin sein Leben führen soll, was er tun und lassen will oder kann. Wo dieses Wissen von schlechten Erfahrungen überlagert, von Geboten und Verboten verdeckt ist, ist es notwendig, die eigenen Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Gesprächspsychotherapie gleicht also einer Forschungsreise ins eigene Innere, um seine Wünsche und Bedürfnisse (wieder) kennen zu lernen, sich selbst besser zu verstehen, und somit besser für sich selbst sorgen zu können.
Systemische Therapie ist eine Weiterentwicklung der Familientherapie. Sie betrachtet den Menschen nicht isoliert, sondern in seinen sozialen Bezügen. Im Mittelpunkt von Beratung und Therapie steht das aktuelle Problem, bzw. das Ziel, welches die ratsuchende Person selbst bestimmt. Hierbei geht es darum, neue Sichtweisen zu ermöglichen sowie Fähigkeiten und Ressourcen im Lebensumfeld (wieder) zu aktivieren. Dazu werden z.B. auch Übungen für zuhause mitgegeben. Auf Wunsch kann die Betrachtung der Herkunftsfamilie mit einbezogen werden.
Körperorientierte Verfahren wie z. B. die tiefenpsychologisch orientierte Bioenergetische Analyse beziehen sich auf die Einheit von Seele, Geist und Körper. Psychische Probleme und psychosomatische Symptome werden dadurch erklärt, dass in unserer westlichen Welt der Geist als wichtigster Bestandteil des Menschen gilt und der Körper das Schlusslicht bildet. Körpertherapie versucht hier einen Ausgleich zu schaffen: durch die Schulung der Körperwahrnehmung, durch Entspannungs-, Atem- und Ausdrucksübungen, Berührungen und Massage. Dadurch wird ein ganzheitlicheres Erleben und Handeln möglich, das zu größerem Wohlbefinden, einem stärkeren Selbstwertgefühl und zu mehr Lebendigkeit führt.
Die Gestalttherapie stellt ebenfalls den Menschen als Gesamtheit von Körper, Seele und Geist in den Mittelpunkt. Vor allem geht es hier um einem besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen und damit zu mehr Ich-Stärke. Dazu sollen in der therapeutischen Arbeit vor allem Wahrnehmungsübungen, Körperarbeit und Gespräch und die Hinwendung zum „Hier und Jetzt“ verhelfen.
In der Transaktionsanalyse geht es vor allen Dingen um die Kommunkation zwischen Menschen. Demnach hat jeder Mensch drei Kommunikationsebenen: das Kind-Ich, das Erwachsenen-Ich und das Eltern-Ich. Die meisten Konflikte entstehen im Alltag dadurch, dass Menschen einander auf unterschiedlichen Ich-Ebenen begegnen. Informationsfragen werden so z.B. oft als Vorwürfe wahrgenommen. In der Therapie wird deshalb vor allem daran gearbeitet, solche „Kommmuikationsfallen“ zu erkennen und neue Ausdrucksformen v.a. auf der „Erwachsenen-Ebene“ einzuüben.
Psychodrama als tiefenpsychologisch orientiertes Verfahren bezieht sich vor allem auf die Begegnungen mit anderen Menschen, die unser Leben prägen, unsere Gefühle und unser Verhalten bestimmen. In Rollenspielen können diese Begegnungen und andere schwierige Situationen wieder aufgegriffen werden. Über das Nachspielen hinaus können neue Perspektiven eingenommen, andere Handlungsmöglichkeiten ausprobiert und erlebt werden. Die Förderung der eigenen Spontaneität und Kreativität ermöglicht zudem einen leichteren Umgang mit bisher belastenden Situationen.
Letzte Akualisierung: 29.05.2009




