Wer berät oder therapiert?

AutorInnen: Dr. phil. Ulli Biechele, Dipl.-Psych. Margret Göth, Dipl.-Psych. Thomas Heinrich und Dipl.-Psych. Andrea Lang

Berufsbezeichnungen rund um Beratung und Psychotherapie gibt es fast wie Sand am Meer. Selbst für uns Fachleute ist es manchmal schwer, die genaue Übersicht zu behalten, was die ganz korrekte Berufsbezeichnung für wen ist. Wir haben im folgenden versucht, die wichtigsten Berufstitel zu definieren. Damit es schöner klingt, haben wir uns jeweils für die weibliche Form entschieden. Männer sind natürlich immer mitgemeint.

PsychologInnen

Psychologin (= Diplom-Psychologin, Psychologin (BA/BSc/MA/MSc)): hat Diplom-Psychologie oder einen Bachelor- oder Master-Studiengang in Psychologie an einer Universität studiert und umfassendes Wissen über menschliches Denken, Fühlen und Verhalten erworben. Als Psychologin kann sie im Gesundheitswesen in Beratung und/oder Therapie arbeiten, aber auch in vielen anderen Arbeitsgebieten.

PsychotherapeutInnen

Psychotherapeutin: Psychologin oder Medizinerin, die eine vom Staat anerkannte psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen hat (Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder Verhaltenstherapie).

Die Diplom-Psychologin heißt dann "Psychologische Psychotherapeutin".
Die Medizinerin heißt "ärztliche Psychotherapeutin".

Daneben gibt es auch noch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin: das ist eine Psychologin, Medizinerin, Pädagogin oder Sozialpädagogin, die nach dem Studium eine staatlich anerkannte kinder- und jugendpsychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen hat. Zu ihr können Personen bis 21 Jahre in Behandlung kommen sowie die Eltern und Familie, der behandelten Kinder und Jugendlichen.

Für Ärzte gibt es auch noch die Möglichkeit, sich als "Fachärztin für Psychotherapie und Psychosomatik" ausbilden zu lassen.

Der Titel „Psychotherapeut / Psychotherapeutin“ ist seit 1999 durch das Psychotherapeutengesetz gesetzlich geschützt. Nicht geschützt ist die Tätigkeit „Psychotherapie“. Das können alle Personen anbieten, die – mit den verschiedensten Hintergründen – eine Zulassung nach dem Heilpraktikergesetz erworben haben. Das müssen nicht unbedingt schlechtere Angebote sein. Wichtig ist hier, genau nach der psychotherapeutischen Ausbildung zu fragen: Was für eine Ausbildung wurde gemacht? Wie lange hat sie gedauert? Was hat man da gelernt? Steht die Person im fachlichen Austausch mit KollegInnen? Welche Haltung hat die Person zur Homosexualität?

Andere Berufsbezeichnungen

Pädagogin

hat an einer Universität Pädagogik studiert und umfassendes Wissen über menschliche Lernprozesse und ihre Gestaltung erworben. Im Gesundheitswesen arbeitet sie zumeist im beraterischen Bereich.

Sozialpädagogin

hat an einer Fachhochschule Sozialpädagogik studiert und umfassendes praxisbezogenes Wissen über menschliche Lernprozesse und ihre Gestaltung erworben. Im Gesundheitswesen arbeitet sie zumeist im beraterischen oder erzieherischen Bereich.

Psychiaterin (= Fachärztin für Psychiatrie)

hat Medizin studiert und sich als Fachärztin für Psychiatrie spezialisiert. Als Medizinerin kann sie – im Unterschied zu allen bisher genannten - Psychopharmaka verschreiben. Je nach persönlichem und fachlichem Hintergrund wird sie im Einzelfall eher auf die Wirkung von Medikamenten oder von Psychotherapie setzen.

Letzte Akualisierung: 04.05.2013