Was ist Beratung und Psychotherapie?

AutorInnen: Dr. phil. Ulli Biechele, Dipl.-Psych. Margret Göth, Dipl.-Psych. Thomas Heinrich und Dipl.-Psych. Andrea Lang

Zum Leben gehört, dass von Zeit zu Zeit Belastungen auftreten. Denn Gesundheit, Liebe, Familie, Arbeit funktionieren nicht immer so, wie wir es gerne hätten.

Mit solchen ernsten Zeiten kommt man meistens ganz gut zurecht. Man hat gelernt, schwierige Situationen, Enttäuschungen, Niederlagen alleine zu verarbeiten und zu bewältigen.

Manches hat man auch nicht allein geschafft, sondern z.B. mit Hilfe von Freundinnen und Freunden.

Bestimmte Lebensereignisse lassen sich besser verkraften, wenn man sich Leuten anschließt, die in der gleichen Situation sind. Wer z.B. ein positives HIV-Testergebnis bekommen hat, kann in einer Positivengruppe Unterstützung erfahren.

Es kann auch Belastungen geben, die zu schwer sind, nicht mehr aufhören oder immer wiederkommen. Zeiten, in denen man mit seinen Freunden und Freundinnen über nichts anderes mehr reden kann und sie doch nicht helfen können.

Wenn in solchen Fällen die Lebensqualität leidet, ist es sinnvoll, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Damit man in Begleitung einer erfahrenen Fachperson den Raum, die Zeit und die neuen Anregungen bekommt, die man braucht.

Wann kann Beratung oder Therapie helfen?

  • wenn man sich selbst besser verstehen will
  • wenn man mehr Selbstbewusstsein entwickeln will
  • wenn man mit Problemen und Fragen nicht mehr alleine fertig wird
  • wenn man gegen die Einsamkeit angehen will
  • wenn man etwas gegen seine Ängste tun will
  • wann man damit aufhören will, sich selbst Schaden zuzufügen

und nicht nur

  • wenn man Panik-Attacken hat oder vor lauter Ängsten nicht mehr allein aus dem Haus gehen kann
  • wenn man wegen Depressionen wochenlang nicht aus dem Bett kommt
  • wenn man darunter leidet, dass man sich fünfzig mal am Tag die Hände waschen muss
  • wenn man das Essen vermeidet oder Fressanfälle hat und danach erbricht
  • wenn man von Alkohol oder anderen Dingen abhängig ist

kurz:
wenn man das Gefühl hat, man will etwas an seinem Leben ändern

Was ist der Unterschied zwischen Beratung und Psychotherapie?

Im Einzelfall ist das gar nicht so scharf voneinander zu trennen. Allgemein gilt:

  • Wozu:
    Beratung zielt eher auf die Lösung eines klar umrissenen Problems (z.B. Trennungsschwierigkeiten), Psychotherapie eher auf eine umfassende Veränderung des Verhältnisses, das eine Person zu sich selbst und zu ihrer Umwelt hat.
  • Wie:
    Für Psychotherapie wird am Telefon ein persönliches Gespräch vereinbart. Für Beratung ist es meist genauso. Viele Beratungsstellen bieten auch telefonische Beratung an (dann kann man anonym bleiben). Einige Schwulen- und Lesbenberatungsstellen bieten online-Beratung an: man bekommt per e-mail einen Termin, bei dem man mit einem Berater chatten kann.
  • für Wen:
    Sowohl Beratung als auch Therapie werden für Einzelpersonen, Paare, Systeme (z.B. Familien) und Gruppen angeboten. Bei Paarkonflikten kann z.B. eine Paarberatung/-therapie sinnvoll sein, bei sozialen Ängsten eine Gruppenberatung/-therapie.
  • Wie lange:
    Beratung ist eher zeitlich begrenzt, Psychotherapie eher langfristig angelegt. Trotzdem gibt es auch Langzeitberatung und Kurzzeittherapie.

Wenn das psychische Leiden einen regelrecht überwältigt oder wenn es zu Bewusstseinsveränderungen kommt (z.B. „Stimmen Hören“), kann eine Behandlung mit Medikamenten, den sog. Psychopharmaka, helfen. Das ist entweder ambulant möglich oder in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Als Faustregel gilt: Beratung oder Therapie ist keine Schande, sondern eine Dienstleistung! Besser frühzeitig ein Gespräch suchen, bevor einem die Probleme zu sehr über den Kopf wachsen! Lieber mit jemandem sprechen als Tabletten schlucken!

Letzte Akualisierung: 04.05.2013