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Sind Lesben oder Schwule die besseren Therapeut_innen?

Autor_innen: Dr. phil. Ulli Biechele, Dipl.-Psych. Margret Göth, Dipl.-Psych. Thomas Heinrich und Dipl.-Psych. Andrea Lang

Zum Nachdenken:
sind Lesben oder Schwule die besseren Therapeut_innen für lesbische oder schwule Ratsuchende?

Nicht in jedem Fall. Schwule und lesbische Therapeut_innen und Berater_innen kennen sich zwar meist besser mit der Lebenssituation von Lesben und Schwulen sowie mit den Möglichkeiten der Szene aus. Das allein reicht aber nicht, um schwulen Klienten und lesbischen Klientinnen auch wirklich weiter zu helfen.

Mancher Schwule lehnt den Wunsch nach monogamer Zweisamkeit ab, manche Lesbe hat Angst vor allzu viel Autonomie – das ist auch bei schwulen Therapeuten und lesbischen Therapeutinnen nicht anders. Die schweben nicht über solchen Dingen. Es kommt aber darauf an, dass sie ihre eigenen Lebensentwürfe hinterfragen und nicht auf andere überstülpen. Dass sie sich mit der Vielfalt von schwulen und lesbischen Lebensformen und ihren häufigsten Problemen auseinandersetzen. Und diesen Anspruch müssen wir an uns Schwule und Lesben selbst genauso stellen wie an Heteras und Heteros.

In jedem Fall ist es wichtig, dass ein Angebot für Lesben und Schwule möglich ist, das beides bietet: für die Themen von Lesben und Schwulen speziell geschulte heterosexuelle wie homosexuelle Fachleute. Denn in manchen Fällen ist es hilfreich, wenn man durch die Beraterin oder den Therapeuten ein Modell geboten bekommt, wie selbstverständlich man lesbisch oder schwul leben kann. In anderen Fällen ist es wichtig, endlich von heterosexueller Seite bestätigt zu bekommen, dass man in Ordnung ist, so wie man ist und damit auch liebenswert.

So dass jede Lesbe und jeder Schwule bei der Suche nach Beratung und Therapie die freie Wahl hat. Denn letztlich kommt es darauf an, was Sie selbst wollen und dass Sie es auch bekommen können.

Letzte Akualisierung: 18.02.2016